Last but not least zum Thema Israel-Palästina: Gastbeitrag von Monika

BethanienUnd dann sind wir auch in Bethanien, wo, so wird erzählt, Maria, Martha und Lazarus lebten. An der Stelle, an der nach der Überlieferung ihr gastfreundliches Haus gestanden hat, ist nun eine Kirche mit vier Wandgemälden, Szenen von dem, was uns von Martha überliefert ist. Unsere Namenspatronin bekommt für mich noch mehr Würde und Schönheit, durch diese Gemälde und durch eine Bibelarbeit an dieser Stelle mit Cornelia. Martha kommt als Haushälterin zur Sprache – und wie wichtig ist kluge Haushälterinnenschaft in Zeiten von Armut und Hunger! Und sie debattiert kundig und emanzipiert mit Jesus, rechtet mit Gott, sie ist eine rebellische Theologin. Als eine, der ein Christusbekenntnis in den Mund gelegt wird, ist sie in die Reihe der Apostelinnen zu stellen. Gerne füge ich dann noch die Geschichte von Martha, der Drachenbändigerin hinzu. Martha, die das Verdrängte und Bedrohliche integriert und sich seine Kräfte dienstbar macht. An diesem Ort ist übrigens ein ganz besonders schöner Garten mit duftenden Rosen.

Es ist eine glückliche Planung, dass wir unsere Reise in Neve Shalom, Wahat al Salam, Oase des Friedens beenden.Zwischen Tel Aviv und Jerusalem gelegen, wurde dieser Ort 1970 auf dem Land gegründet. Jüdische und palästinensische BürgerInnen Israels leben hier gemeinsam in gleicher Anzahl. Toleranz, gegenseitige Achtung, Zusammenarbeit, Zwei- und Mehrsprachigkeit, demokratische Verwaltung und eine umfassende und wirkungsvolle Friedensschule – die verschiedenen Narrative wahr nehmen! – prägen diesen Ort. Wieder haben wir das Glück, dass eine Gründerin uns von den Anfängen mit viel Idealismus und harter Arbeit bis hin zu den Herausforderungen der Gegenwart erzählt. Sie ist Schweizerin und auch in ihrer Biographie bündelt sich Weltgeschichte. Sie ist mit einem Palästinenser verheiratet und ihre Kinder sind zu 100 Prozent jüdisch, denn das Judentum wird über die Mutter weitergegeben, und zu 100 Prozent muslimisch, der Islam wird über den Vater weitergegeben. Es ist spürbar: Dieser Ort hat Zukunft! Auch die eigenen Kinder bleiben oder sie kommen gerne wieder, um wiederum ihre Kinder in diese alltäglich gelebte Hoffnung einzuüben.

Wie aber kann ein geistlich-spirituelles Zentrum in dieser Friedensgemeinschaft aussehen? Folgende Geschichte wird uns erzählt: Eine der prägenden Personen ist Bruno Hussar, ägyptischer Jude, später Dominikanerpriester. Sein erster Entwurf für einen spirituellen Ort hatte die Form einer Pyramide, je eine Ecke sollte dem Judentum, dem Islam und dem Christentum gewidmet sein. Dann, so wird erzählt, meldete sich ein Mitglied: Ich bin Atheist. In welche Ecke soll ich gehen? Der erste Plan wurde fallen gelassen. Dann ist ein pluralistisch-spirituelles Zentrum entstanden, das zum einen ein Haus der Begegnung, des Gebets und des Studiums umfasst, zum anderen einen kreisrunden Ort mit einer Kuppel:
Haus der Stille, Bet Doumia, Bet as-Sakinah, einen Ort tiefen Schweigens.
OrtDerStille In diesem Ort tiefen Schweigens bergen wir alles, was wir gehört, erlebt, erfahren haben, das verstörend Ungelöste und das Schöne, Ermutigende, die vielen Begegnungen, die in uns Dankbarkeit und große Achtung hervorrufen.