Eine Nacht im Kibbuz Hagoshrim

Foto: Sabbat-FahrstuhlAuf dem Weg vom See Genezareth erfuhren wir, dass wir ja “eigentlich” in einem Kibbuz direkt am See hätten schlafen sollen. Da dort aber kein Platz für uns war (ging es uns wie Maria und Joseph? ;)), fuhren wir ins Kibbuz Hagoshrim.

Dieses Kibbuz wurde 1948 von 33 jungen Leuten gegründet. Es liegt am Fuß des Golan und bot beeindruckende Ausblicke, auch wenn es keinen Blick zum See mehr gab. Dort begegnete uns der erste Sabbat-Fahrstuhl:

Foto: Abendessen im Kibbuz

Da unser Programm – wie berichtet – etwas übervoll war, durften wir nach dem Bezug der – deutlich luxuriöser als erwartet(en) – Zimmer direkt zum Abendessen, wo wir sehr erfreut die ebenfalls unerwartet große Auswahl und Qualität der Speisen zur Kenntnis nehmen durften.

Da schon klar war, dass wir am nächsten Morgen direkt nach dem Frühstück zwar noch eine Info-Veranstaltung bekämen, aber wohl keine Zeit mehr wäre, das Kibbuz wirklich zu “besichtigen”, haben sich einige von uns für vor dem Frühstück verabredet, um mal zu schauen, was es so zu sehen gibt.

Neben dem mich beeindruckenden Leuchter fiel uns u.a. ein (verschlossener) Bunker auf. Zu diesem hörten wir dann nur am Rande der Info-Veranstaltung, dass es ihn gäbe.

Wir bekamen dann nach dem Frühstück noch viele Informationen zum Kibbuz, aber tatsächlich keine Zeit mehr, durch das Kibbuz zu laufen. Dort leben derzeit 580 Personen, davon etwa 1/4 Kinder. Die Kinder der dritten Generation(en) haben das Kibbuz verlassen. Leer stehende Häuser werden daher vermietet, wobei die Mieter_innen kein Mitspracherecht bei Entscheidungen haben, die die Kibbuz-Gemeinschaft betreffen.

Neben dem Hotel wird nach wie vor auch Landwirtschaft betrieben. Seit 2000 wird das Kibbuz kapitalistisch geführt. Das bedeutet wohl vor allem, dass statt gemeinschaftlich jetzt von “außen” bestimmt wird, welcher Dienst was an Geld bekommt.

Früher waren die Eltern mit ihren Kindern nur Abends zusammen, sonst nicht. Heute sind sie bis 18 Jahre als Familie zusammen. Frauen mussten sich daher früher im Kibbuz nicht um die “frauentypischen” Dingen kümmern. Heute ist das anders. Seit 2000 machen die Frauen mehr: 7:30-16h arbeiten, kochen, waschen, einkaufen, Kinder zur Ärztin schaffen. Die Männer arbeiten oft außerhalb des Kibbuz, kommen erst spät zurück. Die Kinder beteiligen sich auch am Militärdienst: Mädchen 2 Jahre , Jungen 3 Jahre. Inzwischen ist es auch möglich, Eigentum zu vererben – das ist anders als vorher. Wenn das Kibbuz verkauft würde, wäre ein_e Bewohner_in bzw. die dort wohnende Familie Anteilseigner_in.

Die Kinder/Jugendlichen verlassen das Kibbuz – sie wollen ihr eigenes Geld verdienen. Sie kommen jedoch zum Teil wieder, seit das Kibbuz kapitalistisch geführt wird. Veraltet das Kibbuz? Es gibt ein Altenpflegeheim auf dem Kibbuz-Gelände. Ambulante Pflege muss allerdings von der Familie selbst bezahlt werden.

In der deutschsprachigen Wikipedia taucht Hagoshrim übrigens “nur” in der Liste der Kibbuzzim auf. Eigene Artikel gibt es hingegen in der englisch-, hebräisch-, und polnisch-sprachigen Wikipedia. Ach ja – und in der tschechischen Wikipedia, da weiß ich aber gerade mal, wie sich diese Sprache schreibt, geschweige denn, dass ich eine Vorstellung davon hätte, dass welche aus unserer Reisegruppe (oder von den hier sonst mitlesenden) sich dafür interessieren würde. Also verzichte ich auf die Verlinkung…