Yad Vashem und die Frauen

KorczakWir wurden “vorgewarnt” – in der Vorbesprechung hieß es, Yad Vashem wäre emotional anstrengend.

Auch das hier derzeit öfter zitierte Buch Israel, um Himmels willen, Israel von Ralph Giordano widmet diesem Ort ein ganzes Kapitel. Interessant an seiner Auseinandersetzung mit diesem Ort fand ich die Wiedergabe des Gesprächs, in dem es in der Gedenkstätte neben den Märtyrern vor allem um die sehr deutliche Präsenz von Helden ging.

Auch mir ging es so, dass ich vor allem den “weiten Raum” und darin wahrnahm, wie viele Bäume dort gepflanzt waren, weil nichtjüdische Personen jüdischen Personen bei der Flucht halfen:

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Das mag mit daran liegen, dass wir einerseits als erstes das Denkmal für die Kinder anschauten. Drei (ja – wirklich nur 3!) Kerzen wurden tausendfach gespiegelt in diesem ansonsten dunklen Raum, dazu gab es Namen, Alter, Wohnorte. Laut Wikipedia braucht das Band ebenfalls 3 – dieses Mal aber Monate – um komplett alle bisher bekannten Angaben 1x abgespielt zu haben.

Danach bekamen wir am Denkmal von Janusz Korczak den Hinweis, dass er erwähnt, genannt und abgebildet wird. Dass es jedoch eine Frau gab, die – wieder einmal – unerwähnt ebenfalls diesen Weg mit den Kindern und ihm ging: seine Mitarbeiterin Stefania Wilczyńska bestand ebenso wie er darauf, nach Treblinka mitzufahren. Was mich dazu bewegte, zumindest mal den Wikipedia-Eintrag zu ihm um diese dort bisher fehlende Information zu ergänzen.

Es gibt derzeit nur in der polnischen Wikipedia einen eigenen Artikel zu ihr. Da ich aber hier und hier auch diverse deutschsprachige Informationen zu ihr fand, könnte es sein, dass es dann demnächst doch auch einen Artikel in der deutschsprachigen Wikipedia gibt, der den dortigen Kriterien dann hoffentlich mehr entspricht als die bisherigen (gelöschten) Versuche.

Unklar bleibt, ob sie nicht auftaucht, weil sie eine Frau ist/war, oder ob sie dort fehlt, weil sie eine Palästinenserin war. Wobei zu der Zeit, als sie lebte, der Staat Israel noch nicht existierte – er wurde ja “erst” 1948 gegründet – eindeutig “nach ihrer Zeit”. Immerhin findet sich ihre Biografie auch innerhalb der Seiten des Internetauftritts zu/über Yad Vashem

Bemerkenswert fand/finde ich in diesem Zusammenhang übrigens, dass es unter Anderem eine Online-Ausstellung gibt, die da heißt: Lichtflecke – Frau sein im Holocaust. Unter den im Folgenden genannten Begriffen finden sich Biografien und Auseinandersetzungen damit, inwiefern die dort genannten Frauen beispielhaft “anders” mit der “Situation” umgingen, auch wenn sie alle genauso ermordet wurden wie ihre Männer und Kinder:

Liebe | Mutterschaft | Für andere sorgen | Weiblichkeit | Partisanen und Untergrund | Alltagsleben | Freundschaft | Glaube | Essen | Künste

Es gibt seit 2007 einen (englischsprachigen) Katalog, der hier zu bestellen wäre. Und zu meinem Erstaunen auch eine Facebook-Seite zu diesem Thema. Noch Fragen? Nein, oder?

Update am 02.06.2013: seit gestern gibt es einen deutschsprachigen Artikel bei Wikipedia von/über Stefania Wilczyńska.

Ein Gedanke zu „Yad Vashem und die Frauen

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