Gastbeitrag von Monika: Israel-Palästina – Teil II

Gleich zu Beginn bekamen wir ein Gespür für palästinensische Lebenswirklichkeit. Wir haben die erste Nacht in Ramallah übernachtet und hatten am ersten Abend ein Gespräch mit Dr. Rema Hammami vom „Institute of Women´s Studies“ der Birzeit Universität zum Thema „Gender and Development“. Sie begrüßte uns mit:

“Welcome to occupied Palestine.”

Und inmitten eines engagierten und beeindruckenden Vortrags eine der Herausforderungen bezüglich des Rollenbildes eines Mannes, die ich so noch nie gehört habe: Palästinensische Männer müssen lernen, dass sie die klassische Rolle, Beschützer und Versorger der Familie zu sein, nicht erfüllen können. Sie müssen lernen, wie sie Mann sein können inmitten permanenter Demütigung. „Palestinian men have to learn, how to be man with permanent humilation.“ Die neue Männlichkeit besteht darin, zu lernen, der Erniedrigung zu widerstehen.

Wir hatten eine christlich-palästinensische Reiseleiterin, Kadra, in Bethlehem geboren, in Deutschland aufgewachsen, bis der Vater entschied, dass seine herangereiften Töchter nun doch lieber im Wertesystem der Väter und Mütter erwachsen werden sollen. Und wir hatten eine jüdische-israelische Reiseleiterin, Judith, in Ungarn geboren, den zunehmenden Einfluss der Nazis erlebt, aus- und eingewandert, jetzt 82 Jahre jung und von unglaublicher Vitalität. Kadra konnte nicht mit nach Israel, Judith konnte nicht mit in die Westbank. Und wir hatten einen palästinensischen Busfahrer: Mahmoud. Wir wurden zu seiner Familie eingeladen. Seine Frau ist ziemlich emanzipiert, sie ist 25 Jahre jung, trotz und mit vier Kindern berufstätig. Sie wünscht sich, dass ihre Töchter auf die Schule Talitha Kumi gehen und später Ärztinnen werden.

Und so haben wir uns bewegt zwischen Israel und Palästina, Stadt, Dorf, und Land, zwischen fruchtbarem Grün und Wüste, zwischen dem See Genezareth, wo wir auf Schritt und Tritt an Jesus und seine Jüngerinnen und Jünger und die Vielen, die ihm folgten, erinnert wurden, und dem Toten Meer, das immer mehr austrocknet und in dem zu baden wirklich eine lustige Angelegenheit ist. Und wir haben uns bewegt zwischen dem, was uns überliefert ist, den heiligen Texten, den Geschichten der Bibel, die wir vor Ort, draußen sitzend, neu gelesen und gehört haben, und der aktuellen Situation, dem, was die Menschen heute bewegt. Und da war immer wieder die manchmal schmerzliche Einsicht, wie unterschiedlich die Sicht- und Erlebensweisen sind.

…Fortsetzung folgt…