Gastbeitrag von Monika: Israel-Palästina – Teil IV

Das vorgesehene Thema an diesem Abend war: Von liberal bis ultraorthodox: Frauen im Judentum. Judith sollte uns die Kontakte vermitteln. Am Abend stellen wir fest, dass Judith nur eine Frau mitgebracht hat, eine Freundin, 89 Jahre alt. Sowohl Judith als auch die Freundin bezeichnen sich als nicht religiös.

Unsere anfängliche Verstimmung wandelt sich schnell, als wir Deborah kennen lernen und aus ihrem reichen und bewegten Leben hören: In Wien geboren, 1938, als Österreich an Deutschland angeschlossen wird, Teil der zionistischen Jugendbewegung. Sie wandert 1940 aus und wird eine Kibbuz Pionierin und später die Mutter des deutsch-israelischen Jugendaustausches. Sie ist eine Zeitzeugin der Geschichte Israels in all ihren Epochen. Heute lebt sie in einer Art Kibbuz für Alte. Alle, die können, haben Aufgaben. Levi, 75 Jahre alt, ist der Direktor. Zum Schluss sagt sie:

„Deutsch ist die Sprache, in der ich zuhause bin, die Musik ist meine, die Landschaft ist meine.“

Im Hagoshrim Kibbuz nahe der Grenze zum Libanon sprechen wir ebenfalls mit einer Gründerin. Der Kibbuz ist wirtschaftlich erfolgreich. Viele wollen im Bereich des Kibbuz wohnen. Es gibt jedoch einen großen Kummer: Die Kinder der Gründer_innen und der prägenden Generation ziehen weg. Im Jahr 2000 haben die verantwortlichen Kibbuzniks das sozialistische Wirtschaften in ein kapitalistisches geändert, um die Generation der Kinder wieder für diese Gemeinschaftsform zu gewinnen. Bis jetzt ist es noch offen, ob die Kinder oder die Enkel zurückkehren werden.

Wir besuchen ein Flüchtlingscamp in Bethlehem, direkt an der Mauer, die bedrückend und übermächtig hoch ist. Manche leben seit über 50 Jahren hier, Kinder rennen herum und es ist leicht vorstellbar, wie wenig Kindheit hier gelebt werden kann. Wir lernen den beeindruckenden Leiter des Kultur- und Theaterprojektes Al-Rowwad kennen, mehrsprachig, er hat in Paris studiert, könnte irgendwo in der Welt ein angenehmes Leben führen und hat sich aber für die Rückkehr an diesen Ort entschieden. Er spricht zu uns von der Schönheit des Widerstandes „beautiful resistance“ und vom Empowerment in einer Situation großer Ohnmacht und Wut: „Everybody is a changemaker.“ Möge es gelingen! Möge es so sein!

Weitere Links zu Al-Rowwad finden sich hier (die Seite wurde uns als Link angegeben) und hier (viel “Geschichte”).

Ganz in der Nähe ist Rahels Grab. Es war ehemals ein Heiligtum für jüdische, muslimische und christliche Menschen. Seit 2002 ist es durch die Mauer unzugänglich. Israelische Soldaten patrouillieren davor. Es ist ein wichtiger Ort geblieben, allerdings finden dort jetzt eher Demonstrationen als Wallfahrten statt, Aggressivität liegt in der Luft, wir ahnen, dass ein Funke einen Brand auslösen kann. An diesem unwirtlichen und lauten Ort spricht Luise zu uns von Rahel, die auf dem Weg gestorben ist, bei der Geburt ihres Sohnes Ben onid: Sohn meiner Kraft, Sohn meines Unheils. Das Grab der Rahel kann als eine andere Klagemauer gesehen werden. Rahel, die Mutter der getöteten Kinder, Rahel, von der es heißt: Rahel weint um ihre Kinder und wollte sich nicht trösten lassen, denn es war aus mit ihnen. Luzia sagt:

„Ich habe Rahel heute weinen gehört.“

 

…ein letztes Mal: Fortsetzung folgt…